Die Utopie Demokratie - a speech from 12th grade that I eventually found while cleaning up my computer
Das wird immer einer der besten Witze der Demokratie bleiben, dass sie ihren Todfeinden die Mittel selbst stellte, durch die sie vernichtet wurde.
Dieser Satz, meine Damen und Herren, entsprang dem Munde eines gewissen Herrn Joseph Goebbels (1897-1945), bekannt als Hitlers Propagandaminister, Meister der Demagogie.
Er spricht über die Demokratie der Weimarer Republik – nein, viel eher – er verhöhnt sie.
Er räsoniert über die Gründe für den Untergang, die Vernichtung. Sein Urteil?
Vernichtend!
Hierzulande, oder treffender generell in der westlichen Gesellschaft, existiert eine Vorstellung von einer „Perfekten Demokratie“, ausgestattet mit „Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit“ als Allheilmittel gegen Willkürherrschaft, soziale Ungerechtigkeiten, Kriege…und und und.
Kurz:
Ich bin demokratisch, also bin ich
Fragezeichen?
Ich denke, Zweifel an dieser Vorstellung sind angebracht, wie sie in dieser Form in westlichen Ländern so gut wie nie vorkommen. Bitte verstehen sie mich nicht falsch, meine verehrten Damen und Herren, ich bin heute nicht hierher gekommen, um gegen die Demokratie zu wettern.
Nein, ganz und gar nicht!
Ich bewundere, ja ich liebe die Idee von der Demokratie, mit ihrer 2500 jährigen Geschichte. Jeder ist von Geburt an gleich, jeder kann mitreden, jeder hat eine Stimme. Demokratie ist Pluralismus, voll mit mannigfaltigen Möglichkeiten, Recht auf Meinungsäußerungen, mit unendlicher Toleranz…
Lasst alle Blumen blühen!
Aber Demokratie ist nur ein Mittel zum Zweck, wie jede Staatsform. Sie wird vom Menschen erschaffen und durchgeführt – für den Menschen. Ich erinnere mich noch an ein Zitat von Abraham Lincoln: „Government of the people, by the people, for the people”.
Damit ist die Frage nach der Bewertungsgrundlage für ein Staatssystem geklärt. Sie muss dem Wohl der Menschen dienen, sprich, sie muss sich realen Umständen anpassen und sich an realen Gegebenheiten orientieren. Für Träumereien, Illusionen, gar Ideologien ist leider kein Platz reserviert
Demokratie ist Plappergesellschaft, das heißt konkret: Steuerreformen werden auf dem Jahrmarkt verhandelt, politische Entscheidungen immer mit einem Auge, wenn nicht mit beiden, auf die nächste Wahl gerichtet gefällt.
Glauben Sie wirklich, dass der Normalbürger, so wie Sie und ich, den leisesten Schimmer von der auf 2000 Seiten gedruckten Gesundheitsreform haben? Wie sieht es aus mit der Finanzierung? Wie mit den makroökonomischen Folgen?
Ich bin Realist.
Die Staatsform, die man heutzutage als Demokratie bezeichnet, ist längst zur Show verkommen. Es ist doch nicht so, dass derjenige mit den besten Inhalten die Wahl gewinnt. Es geht um Wahlkampf, Präsentation und nicht zuletzt um Geld. Man investiert ja nicht nur in Maschinen oder Aktien, man „investiert“ in unserer Gesellschaft in Wahlen.
Schauen Sie sich doch die Summen an, die in den USA in Wahlen fließen. Glauben Sie wirklich, dass für die Entwicklung von irgendwelchen volkswirtschaftlichen Modellen Milliarden von Dollars benötigt werden?
Ich bin Realist.
Gelegentlich hört man in unserer Gesellschaft ja eventuell Stimmen, die gegen „Missstände“ in China, gegen das „Regime“, gegen „Verletzung der Menschenrechte“ wettern.
(Ihr gutes Recht, wir leben ja in einer Demokratie)
Aber ich denke nicht, dass sie wissen, wovon sie wirklich reden, während sie Demokratisierung in China fordern. Ich sehe, wie hierzulande Menschen sich über die 5/6 % der NPD in vereinzelten neuen Bundesländern empören und sich über deren Unwissenheit und Ungebildetheit aufregen.
Diese Wähler werden vielfach als „abgehängtes Präkariat“ bezeichnet. Sie sollen zum großen Teil arbeitslos sein, keine Perspektiven sehen, schlecht gebildet sein und „von der Politik keine Ahnung haben“.
Ich empfehle Ihnen hierzu, die nächsten Ferien auf dem Land in China zu verbringen.
Friedrich Schiller sagte einst: „Was ist Mehrheit? Mehrheit ist der Unsinn, Verstand ist stets bei wenigen nur gewesen.“
Ich sage Ihnen, es ist nicht zwingend der Mangel an Verstand, sondern eher der Mangel am politischen Verständnis, der Mangel an Wissen und Bildung, der der Demokratie ihre Beinchen stellt. Stellen Sie sich vor, sie wären ein armer chinesischer Bauer, hatten vielleicht maximal vier Jahre die Dorfschule besucht, besitzen weder Internet noch Fernseher und beschäftigen sich jeden Tag mit dem Spitzkohl in ihrem Hektar Land, um gerade noch das tägliche Brot kaufen zu können. Glauben Sie wirklich, Sie könnten der Verlockung eines 100 Yuan Scheins widerstehen, wenn von Ihnen als Gegenleistung lediglich Ihre Stimme für eine bestimmte Partei, dessen Name Sie höchstwahrscheinlich sowieso noch nie gehört haben, verlangt wird?
Ich bin Realist.
Demokratisieren Sie ein Land wie das jetzige China und es wird in tausend Stücke zerfallen, die Menschen sich im Chaos eines Bürgerkrieges die Köpfe einschlagen, oder jemand kommt auf die geniale Idee mittels der „Demokratie“ an eine Alleinherrschaft zu gelangen. Die Geschichte liefert genug Beispiele der Tristesse.
Und wo bleibt der erhoffte Wohlstand?
„Demokratie ist die schlechteste Regierungsform – mit Ausnahme all jener Formen, die von Zeit zu Zeit ausprobiert worden sind.“, sagte Churchill.
Demokratie funktioniert nur mit perfekt rationalen Menschen.
Demokratie ist keine Allzweck-Wunderwaffe.
Demokratie ist Idealismus.
Demokratie ist Utopie.
Wednesday, March 31, 2010
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